Mehrweg bei Events – vom nachhaltigen Produkt zum Betriebssystem

Autor: Thomas Halder

Mehrweg bei Events – vom nachhaltigen Produkt zum Betriebssystem

Mehrweg bei Events: Warum der Becher allein nicht nachhaltig ist

Mehrwegbecher gehören bei vielen Veranstaltungen inzwischen zum sichtbaren Nachhaltigkeitskonzept. Doch ein wiederverwendbares Produkt entfaltet seine Wirkung nur, wenn es tatsächlich zurückgegeben, gereinigt und erneut eingesetzt wird.

Genau hier verschiebt sich der Fokus: von der Materialwahl zum funktionierenden Kreislauf.

Seit September 2026 sind Einwegbecher bei Veranstaltungen im öffentlichen Raum der Stadt Brüssel unabhängig vom Material verboten. Veranstalter müssen ein System für Ausgabe, Sammlung, Reinigung und Wiederverwendung organisieren. Zusätzlich ist eine Rücklaufquote von mindestens 90 Prozent nachzuweisen.

Was gehört zu einem funktionierenden Mehrwegsystem?

Ein Mehrwegkonzept ist eine operative Infrastruktur. Es braucht:

  • realistische Mengen- und Bedarfsplanung
  • leicht verständliche Pfand- oder Rückgabelogik
  • gut sichtbare Rückgabestellen
  • ausreichende Sammel- und Lagerkapazitäten
  • Transport- und Reinigungsprozesse
  • klare Verantwortlichkeiten
  • belastbare Daten zur Rücklaufquote

Fehlt eines dieser Elemente, kann ein gut gemeintes System zu langen Warteschlangen, unnötigem Schwund oder zusätzlichen Transportwegen führen.

Was können Veranstalter von europäischen Städten lernen?

Das EU-geförderte Interreg-Projekt Change(K)now! bündelt Praxiserfahrungen aus mehreren europäischen Städten. Dazu gehören stadtweite Pfandlösungen in Kopenhagen, Mehrwegsysteme bei großen Kulturveranstaltungen in Tallinn und die Nutzung wiederverwendbaren Geschirrs während der Fußball-Europameisterschaft in Hamburg.

Die Beispiele zeigen: Skalierung wird einfacher, wenn Veranstalter, Städte, Gastronomie, Logistik und Spüldienstleister gemeinsame Standards und Infrastrukturen nutzen.

Fazit: Nachhaltigkeit braucht gutes Experience Design

Mehrweg ist nicht nur eine ökologische oder regulatorische Aufgabe. Rückgabe, Pfand, Besucherführung und Wartezeiten sind Teil der Event Experience.

Das nachhaltigste System ist deshalb nicht das sichtbarste, sondern dasjenige, das für Teilnehmer einfach funktioniert und im Hintergrund zuverlässig geschlossen wird.

Quellen: Stadt Brüssel, Interreg Baltic Sea Region

Autor: Thomas Halder / East End

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